Neues aus Oberreichenbach: Gemeinde Oberreichenbach

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Historische Streunutzung im Naturschutzgebiet

Artikel vom 26.08.2020

Wie in alten Zeiten wurde in diesem Jahr Ende Juli und Anfang August die schon im Vorjahr gemähte Streu mit dem Pferdefuhrwerk aus der Heselmiss gefahren. Vor 60 Jahren war die organische Bodenauflage noch wertvolle Einstreu für das Vieh. Ab ca. 1840 wurde die Waldweide nach und nach zugunsten der Stallhaltung eingestellt, was bedeutete, dass vermehrt Einstreu für die Tiere benötigt wurde. Da Stroh größtenteils mitverfüttert wurde, nahm man ersatzweise eben die Waldstreu als Einstreu. Dabei handelte es sich überwiegend um Heidelbeerkraut, Erika- und Preiselbeerkraut, Torfmoos und Pfeifengras sowie der kompletten Rohhumusschicht. Die Streu wurde im Hochsommer vor der Getreideernte gewonnen und war ein hartes Geschäft, wie auch unsere Waldmitarbeiter etliche Jahre erfahren durften. Sie wurde dann eine Zeitlang in der Sonne getrocknet und anschließend in „Streube-Schöpfen“ aufbewahrt.

Anfangs wurde die Streunutzung noch alle fünf Jahre betrieben, bis die königliche Forstdirektion dem Treiben ein Ende bereiten wollte, weil man damals schon die negativen Folgen dieser Waldnutzung für den Nährstoffhaushalt der Böden erkannte. Die Würzbacher wehrten sich 1871 erfolgreich mit dem Resultat, dass ca. 170 ha aus der normalen Waldbewirtschaftung zum Zwecke der Streunutzung herausgenommen wurden (ziemlich deckungsgleich mit dem heutigen Naturschutzgebiet), allerdings ihnen im Vorfeld zur Strafe für ihre Widersetzlichkeit ein Zweijahres-Holzeinschlag untersagt wurde.

Bis 1963 nutzten die letzten Bauern ihr Streurecht aus. Die Flächen begannen sich langsam zu erholen und 1985 erkannte man den historischen Wert dieses Altreliktes. Unter Federführung vom damaligen Reviervertreter Karl Günther wurde unter der Regie der forstlichen Versuchsanstalt Freiburg eine 0,6 ha große Fläche wieder zur Streunutzung ausgeschieden. Die Nutzung sollte wie zu früheren Zeiten alle 10 Jahre einmal komplett durchgeführt werden, was aber natürlich aus finanziellen Mitteln, die aus Fördertöpfen und Ausgleichsmaßnahmen kommen, nicht immer funktioniert.

Um das Knochengeschäft möglichst authentisch und bodenschonend durchzuführen, wird dies seit Jahr und Tag per Hand mit einer speziellen Streusense und anschließender Abfuhr durch ein Pferdegespann ausgeführt.

Wie bislang jedes Mal war Gidi’s Walter (Walter Keppler) mit seiner letzten Stute, diesmal mit Hilfe von Bernd Schaible/Agenbach und seinem Gast-Deckhengst, mit von der Partie. Beim Aufladen waren Karl Mast, Roland Rentschler und Siegfried Schleeh mit wechselnder Besetzung dabei.