Kommunale Wärmeplanung: Gemeinde Oberreichenbach

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Zusammenfassung Abschlussbericht Kommunale Wärmeplanung

Gesetzliche Grundlage

Seit dem 1. Januar 2024 ist es für Kommunen verpflichtend, bis zum 30. Juni 2028 einen Wärmeplan vorzulegen.

Dieser Wärmeplan ist eingebettet in die Vorgabe zur Klimaneutralität des Landes Baden-Württemberg bis 2040 und des Bundes bis 2045.

Relevanz

Der Wärmeplan ist wichtig, um der Verwaltung, den Haushalten und den Industriebetrieben eine Orientierung für das zukünftige Vorgehen bei der Wärmeversorgung zu bieten. Hierbei ist es sinnvoll, den Bestand, die Potentiale und die Ziele bereits möglichst früh zu erörtern.

Öffentlichkeitsarbeit

Zunächst fand im August 2025 ein Fachworkshop im Rathaus statt, wo erste Ideen gesammelt und diskutiert wurden. Dann gab es im Dezember 2025 eine öffentliche Abschlussveranstaltung. Hier wurden interessierten Bürgern zentrale Elemente der Kommunalen Wärmeplanung vorgestellt und angeregte Diskussionen geführt. Zur besseren Visualisierung wurde zudem ein digitaler Zwilling der Gemeinde erstellt, der laufend ergänzt und erweitert wird.

Die Kommunikation soll allgemein, transparent und leicht verständlich erfolgen. So soll eine niederschwellige Information über die Wärmewende in Oberreichenbach stattfinden.

Die zentrale Information findet dabei über die kommunale Webseite sowie bestehende Kanäle statt.

Prozessablauf

Grundsätzlich besteht der Prozess aus der Bestandsanalyse, der Potentialanalyse, möglichen Zukunftsszenarien, sowie einer konkreten Strategie mit Maßnahmen.

Bestandsanalyse

In der Bestandsanalyse wird zunächst einmal die bestehende Situation betrachtet und aufgrund vielfältiger Daten aufgearbeitet.

Die Gemeinde Oberreichenbach hat rund 3.000 Einwohner und ist in vier Ortsteile aufgeteilt. Die Gemeindefläche besteht größtenteils aus Wald und landwirtschaftlichen Flächen. Industrie und Wohngebiete nehmen nur relativ wenig Raum ein.

Die Gebäude im Gemeindegebiet sind zum Großteil Wohngebäude mit vereinzelter industrieller Nutzung. Dabei dominieren Einfamilienhäuser das Bild.

                                  

Für die energetische Effizienz eines Gebäudes spielen darüber hinaus die Baualtersklassen eine Schlüsselrolle. 

Auffällig ist besonders der große Anteil von Gebäuden, die zwischen 1979 und 1999 gebaut wurden.

Als Heizungsanlagen werden aktuell vor allem Heizkessel verwendet, was eine Form von dezentraler Wärmeversorgung darstellt. Diese werden durch wenige kleinere Wärmenetze ergänzt.

 

Der Wärmebedarf ist dabei meist räumlich konzentriert, wie der folgenden Abbildung entnommen werden kann.

Aktuell sind drei Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen vorhanden. Davon arbeiten zwei mit Biogas und eine mit Mineralöl. Zudem gibt es ein flächendeckendes Mittel- und Niederspannungsstromnetz.

 

Die folgende Grafik veranschaulicht, wie sich der Energieverbrauch
auf die Energieträger verteilt.

Heizöl und Biomasse sind dabei aktuell der dominierende Energieträger zur Wärmebereitstellung.

Gleichzeitig ist Heizöl aber auch für rund 80% der CO2-Emissionen verantwortlich.

Über 90% der Energie werden dabei von Wohngebäuden verbraucht.

 

Potentialanalyse

Energetische Sanierung

Der spezifische Energiebedarf eines Gebäudes hängt maßgeblich von dessen Alter ab. Dementsprechend besteht durch Sanierungsmaßnahmen wie der Dämmung oder Erneuerung von Heizsystemen bei alten Gebäuden erhebliches Energiesparpotential.

Solarthermie & Photovoltaik

Als erneuerbare Energieträger zur Heizung steht unter anderem Solarthermie bzw. Photovoltaik zur Verfügung. Hierbei wird die Energie der Sonne genutzt, um direkt Wärme zu erzeugen. Eine große Schwäche ist hierbei allerdings die saisonal im Winter wesentlich reduzierte Solarausbeute.

Die Montage solcher Anlagen ist auf vielen Dachflächen, insbesondere moderner Gebäude und der Industrie möglich. Allerdings ist die Nutzung von Freiflächen wegen gesetzlichen Beschränkungen nur eingeschränkt möglich.

Biomasse

Darüber hinaus steht Biomasse zur Verfügung. Hier sind Waldrestholz und Biomüll besonders geeignet. Gerade die großen Waldflächen bieten hier hohes Potential.

Auch Biogas kann eine wichtige Möglichkeit sein. Hier konzentriert sich das Potential aber vor allem auf die ländlich geprägten Teile.

Geothermie

Geothermie stellt ebenfalls ein sehr interessantes Potential dar. Hierbei wird durch eine Erdbohrung Wärme gewonnen, die dann für die Beheizung genutzt werden kann.

Dies ist allerdings wegen Trinkwasserschutz- oder Heilquellengebieten im Gemeindegebiet stark eingeschränkt.

Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist eine vielversprechende Technologie. Allerdings müssen dafür das Stromnetz, das Gebäude und die klimatischen Bedingungen geeignet sein. Die Wärmepumpe kann aber grundsätzlich fast überall genutzt werden.

Abwärme

Zudem kann Abwärme z.B. von industriellen Anlagen genutzt werden. Das größte Potential stellt dabei sicherlich das Rechenzentrum dar. Ansonsten ist das Potential beschränkt.

Windenergie

Zuletzt besteht erhebliches Potential zur Nutzung von Windenergie. Allerdings sind hierfür bei weitem nicht alle Flächen geeignet.

      

Zielszenario

Bei der Erarbeitung eines Zielszenarios bis zum Jahr 2040 steht die Entwicklung der Siedlungsstrukturen und des Wärmebedarfs im Mittelpunkt. Hierbei wird das wahrscheinliche zukünftige Wärmeversorgungssytsem im Jahr 2040 auf Basis der Potential- und Bestandsanalyse skizziert.

Grundlegend wird von einem durchschnittlichen Zuwachs der Einwohnerzahl und zugleich einem sinkenden Wärmebedarf ausgegangen. Letzteres soll durch energetische Sanierungen und effizientere Heizsysteme erreicht werden.

Grüne-Gase-Netz

Ein Grüne-Gase-Netz ist vorwiegend sinnvoll, wenn bereits Infrastruktur vorhanden ist, die umgerüstet werden kann. Aber dies ist nur in wenigen Gebieten gegeben.

Dezentrale Wärmeversorgung

Für die Mehrheit des Gemeindegebiets kommt daher vor allem die dezentrale Wärmeversorgung in Frage. Hierbei muss aber beachtet werden, dass Biomasseanlagen und Solarthermie viel Platz benötigen. Dies stellt einen Nachteil in dicht bebauten Gebieten dar. Außerdem ist die Temperaturleistung erneuerbarer Energiequellen wie Wärmepumpen begrenzt.

Wärmenetze

Ergänzend zu den dezentralen Lösungen wird in Hochbedarfsgebieten eine zusätzliche Lösung wie gewerbliche Wärmenetze oder Abwärme notwendig.

Grundsätzlich werden Wärmenetze von der Bundesregierung favorisiert, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Darüber hinaus wird grüner Wasserstoff vor allem in der Industrie benötigt und wird daher nur begrenzt und zu hohen Preisen für privates Heizen zur Verfügung stehen. Ähnliches gilt für Biomethan.

Igelsloch und Oberkollbach

Als besonders geeignet für die Ortsteile Igelsloch und Oberkollbach werden dezentrale Systeme wie Wärmepumpen und Geothermie eingestuft, vor allem in Gebäuden mit moderatem Wärmebedarf und guter Isolierung.

Oberreichenbach

Für Oberreichenbach und das nahegelegene Gewerbegebiet scheint ein Wärmenetz sinnvoll. Dabei kann die Abwärme des Rechenzentrums einen wichtigen Beitrag leisten.

Würzbach

Für Würzbach ist wegen der fehlenden Ankerkunden und der wenig dichten Bebauung auch eher eine dezentrale Wärmeversorgung sinnvoll.

Prognose des CO2 Ausstoß

Gemäß Analyse wird der Wärmebedarf so bis 2030 moderat sinken und die Verbreitung von Erdgas und Heizöl schrittweise zurückgefahren. Bis 2040 sinkt der Wärmebedarf planmäßig weiter und die Nutzung von erneuerbarer Energie nimmt weiter zu. Dabei stellt die dezentrale Versorgung den Großteil der Abdeckung dar.

 

Maßnahmen

Um die Wärmewende erfolgreich umzusetzen, sind folgende Maßnahmen geplant:

  1. Erstellung des Wärmeplans
  2. Erhöhung der Detailtiefe
  3. Umsetzung der Pläne

Hierbei stehen folgende Schritte im Mittelpunkt:

  • Ausbau der Infrastruktur wie Wärme-, Strom- und Gasnetze
  • Erzeugung von klimaneutraler Wärme durch erneuerbare Energien
  • Energetische Sanierung von Gebäuden
  • Optimierung der Effizienz in der Industrie
  • Begleitmaßnahmen wie Förderung, Öffentlichkeitsarbeit und Organisation

Bewertung

Zur Bewertung der Maßnahmen werden verschiedene Kriterien Herangezogen. Diese umfassen unter anderem:

  • Die Art der Maßnahme (juristisch theoretisch, praktisch, organisatorisch)
  • Priorität
  • Zeitraum der Realisierung
  • Realisierungsaufwand
  • Dauer der Maßnahme
  • Kosten der Maßnahme
  • Potential zur Treibhausgasminderung

Konkret wird die Wärmewendestrategie in 3 Phasen gegliedert:

Phase 1 von 2025 bis 2030

  • Installation eines wärmeverantwortlichen Teams
  • Informationsveranstaltungen
  • Interkommunales Netzwerk
  • Nutzung von Effizienz- und Sanierungspotentialen
  • Energetischer Sanierung besonders alter Gebäude

Phase 2 von 2030 bis 2035

  • Gründung innovativer Netzberteibermodelle (z.B. Quartiersgesellschaften zur Unterstützung und Beratung)
  • Nutzung von Abwärme und Dekarbonisierung des Hauptwärmebedarfs seitens der Industrie
  • Ausbau von Erneuerbaren und Wärmepumpen

Phase 3 von 2035 bis 2040

  • Fertigstellung der Programme und Überprüfung der Wärmewende
  • Abschluss der Wärmewende
  • Weiterer Ausbau der Erneuerbaren und Anschluss an Wärmenetze
  • Weitere Überprüfung und Verstärkung der Stromnetze

Fokusgebiete

Fokusgebiet 1 ist der Gebietskern der Gemeinde Oberreichenbach. Dieser verfügt über keine Erdgas- oder Wärmenetze.

Fokusgebiet 2 ist der Ortsteil Würzbach. Dieser verfügt ebenfalls über keine Erdgasversorgung. Im Süden ist allerdings ein Kleinstwärmenetz neben einer Biogasanlage vorhanden.

Schlüsselmaßnahmen

Entsprechend der Vorgaben wurden fünf Schlüsselmaßnahmen herausgearbeitet:

  1. Benennung eines Wärmewende-Teams und Durchführung der Wärmeplanung innerhalb der Verwaltung
  2. Studien zu klimaneutralen kommunalen Liegenschaften
  3. Weiterführende Machbarkeitsstudie zu Wärmenetzen
  4. Steigerung der Biogaserzeugung und Direktverträge mit dem Wärmenetz
  5. Energetische Sanierung von Gebäuden mit höchster Priorität

Ausblick

Die kommunale Wärmeplanung ist grundsätzlich dynamisch, sodass sie an ändernde Gegebenheiten angepasst werden kann. Gleichzeitig soll der Plan technologieoffen sein und flexible Szenarien vorsehen. So soll gewährleistet, dass auch bei Preisschwankungen und Verfügbarkeitsengpässen eine sichere Versorgung sichergestellt ist. 

Die Transformation erfordert erhebliche Investitionen, die staatliche Anreize benötigten. Dies gilt insbesondere, solange regenerative Heizsysteme teurer sind als fossile Lösungen.

Insgesamt ist es wichtig, dass die Gemeindeverwaltung, die Bürger und alle lokalen Akteure eingebunden sind. Nur so kann langfristig die Umwelt geschützt und eine bezahlbare und sinnvolle Wärmeversorgung sichergestellt werden.